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SonntagsZeitung
26. Januar 2014
SonntagsZeitung

Ab in die eigene Mitte - Autorin: Chris Winteler

Heilende Erde, Energie des Wassers: In Wellnesshotels sind Moorbäder und Kneippkuren wieder en vogue

Clipping Sonntagszeitung

Der Holzzuber mit dem «Alpenzauber-Naturmoorvollbad» ist angerichtet. Ein paar Sägespäne liegen zur Dekoration obenauf. Nackt in den dicken, schwarzen Brei. Eine sanfte Frauenstimme ab Band spricht von Lebensfreude, Leichtigkeit und Wohlbefinden - sphärische Klänge im Hintergrund.

Ich soll geerdet werden. Runterfahren, Stress abbauen, mich und die Natur wieder bewusster wahrnehmen. Erdung - die Verbindung des Menschen mit der Natur -, das ist das neueste Schlagwort der Wellnesshotellerie. «Wer achtsam über eine Wiese geht, die Erde unter den Füssen spürt, das frische Gras riecht, der merkt, wie rasch der Alltagsstress dabei verfliegt», so Michael Altewischer, Geschäftsführer der Kooperation Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vor rund zehn Jahren konnten die Anwendungen nicht exotisch genug sein: Ayurveda aus Indien, Lomi-Lomi aus Hawaii, Hamam aus dem Nahen Osten. Heute steht die Frage nach der tatsächlichen Wirkung im Zentrum, bewährte Therapien aus der eigenen Kurtradition sind en vogue. Einige der Hotels bieten sogenannt heilende Erde an, andere setzen auf die Kraft des heilenden Wassers.

In Bad Bayersoien, in Oberbayern, liegt das bekannteste Wellnesshotel mit Moorritualen. «Grüss Gott» steht auf dem Ortsschild, Bauern mit Seppelmützen auf dem Kopf rasen auf ihren Traktoren durch die Strässchen. Sonst herrscht Ruhe. Das Parkhotel am Soier See, ein staatlich anerkanntes Moorheilbad, verspricht «ein Jungbrunnen für Körper und Geist» zu sein. Das voralpine Bergkiefern-Hochmoor, viele Tausend Jahre alt, wird in der Gegend gestochen und in der hoteleigenen Moorküche aufbereitet.

«Moor ist Erde, Moor ist also pure Erdung», sagt die Gastgeberin. Dr. Franziska Fehle-Friedel - hier wird noch Wert auf die Nennung des Titels gelegt - ist Hoteldirektorin, Ärztin und diplomierte Sommelière. Klar, dass sie «a Glaserl Wein» zum Abendessen nicht verwehrt. Erdung und Wein passten schliesslich bestens zusammen, «beides naturnah, beides wirkt entspannend».

Die meisten Gäste sind zwischen 45 und 65, darunter seien besonders viele Frauen, die unter der Mehrfachbelastung von Beruf und Familie leiden. Finanzieller Stress ausgenommen, sonst könnten sie sich diese Auszeit kaum gönnen (Verwöhnpension ab 115 Euro pro Person im DZ). Mindestens eine Woche Zeit sollte man sich nehmen. Voraussetzung für eine gelungene Erdung: «Möglichst keine Termine, in den Tag leben, in sich hineinhören, tun, worauf man Lust hat.»

Es ist wohlig warm im «Alpenzauber-Naturmoorvollbad», ich wühle im schwarzen Brei, ertaste Rinde, ein Stücklein Holz und . . . Lieber nicht weiterwühlen. Brigittes Erzählung von der Freundin, die eine tote Maus aus dem schwarzen Brei gezogen hat, ist noch frisch. Brigitte Pulmer aus Oberursel bei Frankfurt, eine eigenständige Frau Mitte 50, verbringt drei Wochen hier im Parkhotel. In ihrem «Moor-Tagebuch» hat sie festgehalten: «Ich möchte jeglichen Ballast, seelischen oder körperlichen, dem Moor abgeben.» Alle zwei Tage ein Moorbad, Spaziergänge um das Seelein, sie fotografiere jede Stimmung - «dieses Mystische, wenn sich der Nebel hebt, diese Klarheit, diese Tiefe . . .» Langeweile? Die Frage irritiert sie. Eigentlich plante sie, einen Ausflug ins eine Stunde entfernte München zu machen, aber sie verzichtet: «Das Bedürfnis nach Erdung ist stärker.»

Meine Moorfee trägt schwarze Regenstiefel und ist recht zackig

Bloss 13 Minuten darf ich im Zuber bleiben, länger würde den Körper zu sehr anstrengen. Die «gute Moorfee» sei immer in meiner Nähe, hat man mich beruhigt. Meine gute Moorfee trägt schwarze Regenstiefel und ist recht zackig: «Aus der Wanne, Moor abstreichen, in die Ecke, Beine spreizen!», befiehlt sie und spritzt mich mit dem Schlauch ab. «So, und jetzt wird geruht», die gute Moorfee wickelt mich in Tücher ein. Wieder ruhen? Gar nicht so einfach für unsereinen.

Das WLAN im Zimmer funktioniert nicht. Es sei nicht die Meinung, dass man vor dem Laptop sitze, stellt die Hoteldirektorin klar. Ginge es nach ihr, man hätte auch auf den Fernseher verzichtet. Der Gast soll unter Leute, reden, lachen, erleben. Aus diesem Grund fehle auch die Minibar. Das Glas Wein soll an der Bar, in Gesellschaft genossen werden.

Heute ist «Bayerischer Abend»! Mit Livemusik von Sepp und Wiggerl, dazu ebenso zünftige Speisen, Wurst, Speck, Schinken auch im Krautsalat. Ein jüngeres Paar fällt auf. Ob die beiden wohl wegen der «einzigartigen Kinderwunschbehandlung» hier sind? Das Moorritual «Unser Wunsch-Baby» werde am besten zu zweit genossen, erklärt die Direktorin. Dass Stress ein wesentlicher Faktor bei Kinderlosigkeit ist, sei bekannt. Entspannen, sich fallen lassen, das tue beiden gut. Mindestens sechs Moorbäder seien aber schon nötig, dass aus dem «Babytraum ein Traumbaby» werde. Für jedes Kind, das «nachweislich» nach Moorbädern entstanden ist, wird ein Baum gepflanzt. Vier Bäumchen stehen vor dem Hotel, «Kinder gab es aber sicher mehr», sagt die Direktorin.

«Die Sehnsucht nach Erdung und Echtheit ist gross»

Erden ist der neue Wellnesstrend, hält die bekannte amerikanische Wellnessexpertin Susie Ellis in ihrem Spa-Report 2013 fest. Ihr österreichischer Kollege Franz Linser bestätigt: «Die Sehnsucht nach Erdung, nach Echtheit und Unverfälschtheit ist evident.» Das Abspielen einer CD mit den Geräuschen des Waldes, dem Rauschen des Meeres, genüge da nicht, «echte Naturerlebnisse sind gefragt». Ein Hotel, möglichst mitten in der Natur, «auch der Angestellte muss sich erden, damit er die Natur erklären kann», fordert der Spa-Experte. Er erwähnt den Oberkellner eines renommierten Hotels, der den Namen des Hausberges nicht kannte, «das kam bei den Gästen sehr schlecht an». Das Essen soll aus der Region stammen, die Milch vom Hof des benachbarten Bauern - «auch das ist Erdung». Bei den Wellnessbehandlungen werde auf Produkte der heimischen Natur gesetzt: Olivenöl in der Toskana, Kürbisöl in der Steiermark.

Keine hawaiiche Lomi-Lomi-Massage also im Allgäu, hierher passt der Heusack. Ich ruhe auf der Massageliege, ein feuchtes, mit Heu gefülltes Kissen auf dem Bauch. Kerzen flackern, wieder diese sphärischen Klänge. «Ruhequell» nennt sich die Wärmetherapie, «tiefenentspannend» soll sie wirken. Das Heu stammt von der Alp Gerstruben, oberhalb von Oberstdorf, wo das Gras ganz ungedüngt, mit all möglichen Kräutern angereichert ist. Hier im Schüles Gesundheitsresort & Spa setzt man auf Sebastian Kneipps (1821 bis 1897) Grundregel: «Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reich geschenkt.»

Früher war das Haus ein christliches Hospiz, 1952 wurde es zum Kneippkurhaus. Heute beherbergt es eine der grössten Kneippanlagen Deutschlands und ist etwas «zwischen Sanatorium und Hotel», sagt Karl-Arnold Schüle, der das Schüles in dritter Generation führt. Ein Ort, wo der Gast in konservativ-gediegener Atmosphäre etwas für seine Gesundheit tun will. Kneipp - die heilende Kraft des Wassers - wird wiederentdeckt, weiss Spa-Experte Linser. Sogar ein Kurhotel in Brasilien biete neuerdings Kneipp an, es gelte als äusserst trendy. Im Schüle's allerdings fallen junge Leute auf, die meisten sind ab 40, nach oben offen, wie der rüstige Herr - «ich werde bald 90» -, der im Fitnessraum verkündet, er lebe nach dem Motto «Turne bis zur Urne!».

Tipps und Anleitungen für den Alltag sind immer wichtiger

Schon um 7 Uhr in der Früh sitzen Männer und Frauen auf Holzschemeln vor den Becken, Füsse oder Unterarme erst im warmen, dann im eiskalten Wasser. «Kneipp tönt verstaubt», sagt Spa-Abteilungsleiterin Alexandra Obser, «aber die Therapien sind sehr gut - und zwar für jedes Alter». Reize würden gesetzt, sodass das Gehirn lernt, sich schneller anzupassen. Die Folge: Man wird resistenter gegen Stress oder friert nicht mehr so schnell. Anwendungen, die man zu Hause ohne weiteres fortführen könne: Die Morgendusche kalt beenden, ein paar Minuten barfuss tau- oder schneetreten, zum Beispiel.

Tipps und Anleitungen für den Alltag würden immer wichtiger, sagt Spa-Experte Linser. Der Gast solle nicht nur während der Wellnesstage gesund essen, sondern das Rezept fürs Birchermüesli mit nach Hause nehmen. In Zukunft werde das Wellnesshotel zum «Partner für einen besseren Lebensstil». Denn so viel steht fest: Mit einem Wohlfühl-Wochenende alleine ist die Erdung nicht vollbracht.




Geprüfte Wellness-Qualität: 1997 wurden die Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland - unter dem Zeichen des Wellness-Baums - gegründet. Zu diesem Anlass wurden erstmals Qualitätskriterien für Wellness-Hotels definiert und seitdem kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. 2005 machen DEHOGA* und IHA** die Grundzüge dieser Qualitätskriterien zum Maßstab für die offizielle Definition eines Wellness-Hotels: eindrucksvolle Anerkennung der Fachwelt für die von unseren Hotels geleistete Pionierarbeit.

* Deutscher Hotel und Gaststättenverband
** Hotelverband Deutschland