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27. Oktober 2009
Münchener Merkur – Auflage: 271.177

Alles Wellness oder was?

Worauf Wohlfühlurlauber achten sollen.

 

Aquafitness, Massagen oder einfach nur faulenzen und nichts tun - als Wellness wird heute so ziemlich alles beworben. Urlauber müssen daher genau hingucken, wenn sie einen Wohlfühlurlaub buchen. Das gilt vor allem dann, wenn sie in der Wirtschaftskrise besonders auf den Preis einer Wellnessreise schauen -. und das tun viele Urlauber. Daneben sollten sie sich aber auch fragen, was sie eigentlich von einem Wellnessurlaub erwarten. Denn da haben Urlauber oft ganz unterschiedliche Vorstellungen.

 

Münchener Merkur

 

Der Wellness-Hype der vergangenen Jahre ist manchen Experten geradezu ein Graus: Denn inzwischen gebe es zahlreiche Anbieter, die lediglich auf der Wellness-Welle mitschwimmen wollen, sagt der österreichische Medizinautor Hademar Bankhofer. "Die bauen sich einen Whirlpool in den Garten, und das heißt dann Wellness." Es sei höchste Zeit, dem einen Riegel vorzuschieben.

 

Das will zum Beispiel der Deutsche Medical Wellness Verband (DMWV) machen: Er hat auf der Reisemesse ITB in Berlin eine neue Hotelmarke vorgestellt, die vom TÜV zertifizierte MedicalWellness-Angebote bietet. So könnten Hotelgäste sicher sein, dass sie bei ihrem Aufenthalt auch wirklich etwas für ihre Gesundheit tun. Dazu gehörten etwa medizinische Untersuchungen und nachhaltige Anwendungen. "Es bringt nichts, nur einige Tage ein Wellnessprogramm zu machen, und danach vergisst man all das wieder, wofür man da hingefahren ist", sagt der DMWV-Vorsitzende Lutz Lungwitz.

 

Solche medizinisch betreuten Angebote sind oft aber verhältnismäßig teuer. Angesichts der Wirtschaftskrise wollen viele Deutsche jedoch auch beim Wellnessurlaub sparen. So steht der Preis für Wellnessurlauber an erster Stelle, wenn es um die Auswahl ihrer Reise geht - 58,2 Prozent sagen das in einer Umfrage der GfK Marktforschung. Sie geben im Schnitt zudem etwas weniger für einen Wohlfühlurlaub aus: Waren es in der Saison 2005/2006 noch 486 Euro, sank der Wert im Urlaubsjahr 2007/2008 auf 476 Euro. Einige verzichten sogar ganz auf Wellnessurlaub: Die Zahl der Buchungen für solche Reisen ist in der Zeit von Februar bis April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent zurückgegangen.

 

Zudem wollen längst nicht alle Wellnessreisenden abnehmen und sich im Urlaub täglich vom Doktor den Appetit verderben lassen. So ist eine Ernährungsberatung der GfK zufolge nur für 3,5 Prozent der Wellnessreisenden wichtig. - Massagen schätzen dagegen 47 Prozent. Auch macht die Zielgruppe der Medical-Wellness-Urlauber nur 23 Prozent aller Wohlfühlurlauber aus. „Das ist ein Nischensegment“, sagt Katharina Banach vom Deutschen Wellness Verband. Die größte Gruppe der Wellnessurlauber (30 Prozent) sind dagegen die „gestressten Performer“: Sie wollen schnelle Erholung, ohne dafür viel tun zu müssen. Wohlfühlen statt medizinisch betreutem Workout heißt für sie also das Motto. Auch exotische Massagen sind wenig gefragt, ergab eine Umfrage der Anbieter Wellness-Hotels-Deutschland (WHD) und beauty24.de, an der 151 Hoteliers und 1484 Kunden teilgenommen haben. Für das Jahr 2007 gab fast die Hälfte (rund 46 Prozent) aller befragten Hotels eine Steigerung bei exotischen Anwendungen an, 2008 waren es nur 36 Prozent. „Unsere Kunden wünschen sich keine Experimente oder gar ausgefallene Programme mehr“, sagt Michel Altewischer von WHD.

 

Basis-Behandlungen wie Wohlfühlmassagen und Ganzkörperanwendungen sind der WHD-Umfrage zufolge dagegen stark im Kommen: Etwa 62 Prozent der Hoteliers sehen einen Zuwachs für solche Massagen und fast jeder Zweite (45,70 Prozent) für Anwendungen, die den ganzen Körper umfassen. Grund hierfür sei, dass solche Anwendungen Urlaubern das Gefühl vermittelten, besonders viel für ihr Geld zu erhalten. Ob sie damit richtig liegen? Das dürfte spätestens der Arzt entscheiden, der "gestresste Performer" auf eine Kur schickt, damit sie endlich etwas gegen ihre Rücken-Probleme tun.




Geprüfte Wellness-Qualität: 1997 wurden die Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland - unter dem Zeichen des Wellness-Baums - gegründet. Zu diesem Anlass wurden erstmals Qualitätskriterien für Wellness-Hotels definiert und seitdem kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. 2005 machen DEHOGA* und IHA** die Grundzüge dieser Qualitätskriterien zum Maßstab für die offizielle Definition eines Wellness-Hotels: eindrucksvolle Anerkennung der Fachwelt für die von unseren Hotels geleistete Pionierarbeit.

* Deutscher Hotel und Gaststättenverband
** Hotelverband Deutschland