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Lausitzer Rundschau
19. Juli 2008
Lausitzer Rundschau – Auflage: 110.200

Visiten und Verwöhnprogramm

TREND Medical Wellness verspricht medizinische Rundum-Betreuung im Wohlfühl-Ambiente

Sich verwöhnen und gleichzeitig etwas für die Gesundheit tun: Das ist das Konzept von Medical Wellness. Die Sparte verspricht eine medizinische Rundum-Betreuung im Wohlfühl-Ambiente. Allerdings ist die medizinische Wirksamkeit der Angebote nicht allgemein anerkannt.


"Bei einem Medical-WellnessAufenthalt übemimmt ein Arzt -die Verantwortung für den Erholungssuchenden", erläutert Lutz Lungwitz vom Deutschen Medical Wellness Verband (DMWV) in Berlin das Prinzip des Konzepts. Mögliche gesundheitliche Probleme des Gastes würden dabei von einer medizinischen Fachkraft untersucht und schriftlich festgehalten. Die anschließenden Behandlungen würden an die Gesundheit des Gastes angepasst.

Trotz dieses medizinischen Aspekts sei Medical Wellness keine Kur. "Bei Medical Wellness werden Kranke nicht gesund gemacht, sondern gesunde Menschen gesund erhalten. Es geht vielmehr um eine Vorbeugung von Krankheiten", so Lungwitz. Ein etwas anderes Konzept verfolgt der Verbund der Wellness Hotels Deutschland in Düsseldorf. "Hier haben die Ärzte den Auftrag, die Gäste auch zu heilen", sagt Horst Knappe von den Wellness Hotels. "Die Menschen kommen mit einem bestimmten medizinischen Problem zu uns, das sie in den Griff kriegen wollen." Bei Medical Wellness gehe es auch um eine langfristige Lebensänderung.

Der Ablauf des Aufenthalts in einem Medical-Wellness-Betrieb hänge von den Wünschen
und Bedürfnissen des Gastes ab, erläutert Knappe. Bei der Ankunft könnten sie sich von einem Arzt durchchecken lassen. Dieser gibt dann eine individuelle Empfehlung für den weiteren Aufenthalt. "Hat ein Gast etwa Herzprobleme, sollte er eher Wassergymnastik als Mountainbiking machen, auch wenn dies schon immer sein Wunsch war", so Knappe. Anstatt eines Lauftrainings bei Rückenschmerzen seien eher Schwimmen, Reiki oder entspannendes Qui Gong zu empfehlen. Auch Ayurveda-Behandlungen wie ein Stirn-Ölguss seien bei einigen Erkrankungen hilfreich. Die Zahl der Unterkünfte, die sich Wellness auf ihre Fahnen geschrieben haben, ist groß - und nicht immer ist es einfach, diejenigen zu erkennen, bei denen ein Aufenthalt im Sinne von Medical Wellness möglich ist. Beate Robertz-Grossmann von der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung in Bonn rät:"Ich würde darauf achten, ob eine medizinisch ausgebildete Person für die Betreuung zuständig ist und welche Qualifikation diese besitzt." Außerdem kann man sich bei Medical-Wellness-Verbänden informieren. "Diese legen bestimmte Qualitätskriterien an Häuser an, die sie empfehlen. Man sollte schauen, ob sie mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmen", so Robertz-Grossmann. Ist ein Hotel einem solchen Verband angeschlossen, könne das eine erste Orientierung bieten. Einige Verbände kontrollieren ihre Betriebe und vergeben Qualitätssiegel. Der DMNW etwa arbeitet mit dem TTJV Rheinland zusammen und hat das Label "Medical Wellness Quality System Standard" ins Leben gerufen. Bisher haben 18 Betriebe die Auszeichnung des DMVJV erhalten.

Viele Krankenkassen unterstützen einen Medical-Wellness-Aufenthalt finanziell allerdings nicht. Er gehört vielmehr zu den individuellen Gesundheitsleistungen, auch IGEL genannt. "Gesetzliche Krankenkassen akzeptieren nur medizinisch notwendige und qualitätsmäßig abgesicherte Leistungen", so Udo Barske vom AOK-Bundesverband in Bonn.

Bei Rolf Rosenbrock, Professor für Gesundheitspolitik an der Charité in Berlin, stößt diese Zurückhaltung auf Verständnis: "Eigentlich macht der Begriff Medical Wellness keinen Sinn.-" Viele der Anwendungen seien schulmedizinisch nicht anerkannt. Der Begriff Medical Wellness sei wohl eher eine Marketingbezeichnung.




Geprüfte Wellness-Qualität: 1997 wurden die Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland - unter dem Zeichen des Wellness-Baums - gegründet. Zu diesem Anlass wurden erstmals Qualitätskriterien für Wellness-Hotels definiert und seitdem kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. 2005 machen DEHOGA* und IHA** die Grundzüge dieser Qualitätskriterien zum Maßstab für die offizielle Definition eines Wellness-Hotels: eindrucksvolle Anerkennung der Fachwelt für die von unseren Hotels geleistete Pionierarbeit.

* Deutscher Hotel und Gaststättenverband
** Hotelverband Deutschland