Von Muße ohne Reue bis Rent a Coach

Von Muße ohne Reue bis Rent a Coach

6. Oktober 2016 Die Zeit – Auflage: 490.947

Noch vor ein paar Jahren galt Wellness als Luxusgut: Heute wächst die Nachfrage nach einer Wellnessauszeit beständig, und immer mehr Menschen nutzen regelmäßig entsprechende Angebote.

„Ich mach heute nichts, nichts, nichts, was etwas nutzt, nutzt, nutzt“, singt Judith Holofernes in ihrem Song „Nichtsnutz“ und gründet eine Müßig-Gang. Auch im Wellnessurlaub ist das eine Option , wie die „Wellness-Trends 2016“ zeigen – doch nicht die einzige. Zwischen Anfang Januar und Mitte Februar 2016 führenden die Hotelkooperation Wellness-Hotels & Resorts und der Wellnessreiseveranstalter beauty24 zwei Umfragen unter 2358 wellnessaffinen Gäste sowie 99 Wellnesshoteliers durch. Danach nimmt gut die Hälfte an der Studie beteiligten Gäste öfter als einmal pro Jahr entsprechende Angebote wahr- und die Nachfrage steigt. „Die Hoteliers nutzen diese Entwicklung, um kontinuierlich in ihre Häuser und die Mitarbeiterqualifikation zu investieren. Das zeigen die Erfahrungen innerhalb der Wellness-Hotels & Resorts“, sagt Michael Altewischer, Geschäftsführer der Kooperation.

Wellness hat sich hierzulande ganz klar etabliert, wobei Hotels die Hauptrolle spielen: Dort genießen 64,6 Prozent der Befragten das Wohlfühlangebote, weit vor Thermen und Wellnessanlagen. Die meisten Gäste buchen zwei bis drei Übernachtungen – bei einer Anreise von 200 bis 300 Kilometer. „Für viele Deutsche ist so ein Wellnesswochenende der Zweit- oder Dritturlaub, bei dem man einer kurzen Anreise möglichst viel Zeit vor Ort genießen möchte“, erklärt Roland Fricke, Geschäftsführer von beauty24. Fast alle Befragten finden Auszeiten im Alltag wichtig, immerhin gut der Hälfte von ihnen gelingt es, auch zu Hause zu entschleunigen. Dagegen schaffe es ein fast genauso großer Anteil viel zu selten, echte Ruhepausen in den Alltag zu integrieren. Diesen Mangel an Müßiggang will man dann im Urlaub korrigieren bzw. neue Impulse für eine bessere Work-Life-Balance bekommen. So gaben 81,6 Prozent der Befragten an, in erste Linie eine Auszeit zum Entspannen zu suchen, für 87,7 Prozent trägt dazu vor allem eine besondere Atmosphäre bei. Gut 40 Prozent wünschen sich, während ihres Hotelaufenthalts wieder zu lernen, schlichtweg mal gar nichts zu tun. So bietet ein Hotel im Allgäu ganz einfach „Nix-Tun“ an. Vier Tage lang entdeckt man die Langsamkeit und lässt sich treiben. Wer möchte, kann an Körperreise und Sonnengruß teilnehmen, bei einer Frei-Geist-Massage entspannen, dazu meditieren und wandern – und sein Smartphone für die Dauer des Urlaubs gegen ein Stück Bergkäse eintauschen.

„Wellnesshotels nehmen heute mehr denn je die Funktion von Rückzugsorten ein, an denen eine Wohlfühl-Atmosphäre ergänzt durch einen zuvorkommenden, aber dezenten Service, und gekrönt von einer erholsamen Massage –wesentlich zur Entspannung beiträgt“, erklärt Roland Fricke. Doch nicht alle Wellnessurlauber wollen ihre Zeit ausschließlich auf der (Massage-) Liege verbringen. Ihnen sind Kurse zum aktiven Entspannen wie z.B. Yoga, Tai Chi und Qi Gong (52,2 Prozent) ebenso wichtig. Beim Yoga lernen sie, sich ganz auf Körper und Atmung zu konzentrieren und bestimmte Übungen später bei Stresssituationen im Alltag einzusetzen. Geführte Wanderungen mit Achtsamkeitstraining in freier Natur sind ein ganz besonderes Erlebnis.

Kinderfreie Hotels sind nach wie vor ein Thema, dem zwar viele Gäste positive gegenüberstehen, das aber vonseiten der Wellnesshotellerie kaum aufgegriffen wird. Fast 60 Prozent der Befragten würden ein solches Erwachsenenhotel– „adults only“ –lieber buchen als ein normales Wellnesshotel. Laut Umfrage reisen zwei Drittel der Gäste mit ihrem Partner in den Wellnessurlaub – dann ist es auch wichtig, gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen. „Wir beobachten, dass neben der klassischen Wellness-Zielgruppe ab 40 Jahren auch immer mehr junge Paare Auszeiten nehmen“, berichtet Roland Fricke von beauty24. Für diese Zielgruppe gibt es natürlich auch wunderschöne Wellnesshotels, die Kinder in supertollen Spiel- und Spaßbereichen verwöhnen, während die Eltern relaxen oder zum Beispiel an einem Achtsamkeitskurs teilnehmen können. Diese Hotels bieten eigene Badebereiche für Familien, Extratouren an frischer Luft und Übernachtungen im Tipi. So geht Wellness eben auch.

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Geprüfte Wellness-Qualität: 1997 wurden die Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland - unter dem Zeichen des Wellness-Baums - gegründet. Zu diesem Anlass wurden erstmals Qualitätskriterien für Wellness-Hotels definiert und seitdem kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. 2005 machen DEHOGA* und IHA** die Grundzüge dieser Qualitätskriterien zum Maßstab für die offizielle Definition eines Wellness-Hotels: eindrucksvolle Anerkennung der Fachwelt für die von unseren Hotels geleistete Pionierarbeit.


* Deutscher Hotel und Gaststättenverband

** Hotelverband Deutschland