Wellness differenziert sich immer stärker

Wellness differenziert sich immer stärker

9. April 2016 AHGZ – Auflage: 10.300

Berlin. Auszeiten sind so wichtig wie nie. Wellness ist für viele Menschen kein Luxusgut mehr, das sie sich gönnen, sondern gehört zum Lebensstil. Im Alltag schaffen sie es allerdings eher selten, sich Ruhepausen zu gönnen, deshalb legen sie im Wellnessurlaub großen Wert auf Entspannung. Die Nachfrage nach entsprechenden Leistungen wächst weiterhin. 

Dabei sind immer mehr Erwachsene an ihrem Rückzugsort gern unter sich und bevorzugen sogenannte Erwachsenenhotels. Das zeigen die Ergebnisse der Befragungen der Hotelkooperation Wellness-Hotels & Resorts (WHR) und des Wellnessreise-Veranstalters Beauty24 unter 2358 Gästen und 99 Wellnesshoteliers, die kürzlich auf der Tourismusmesse ITB in Berlin vorgestellt wurden.

Gezielte Muße im Urlaub
Wellnessferien gehören ebenso wie Städtetouren fest zur Urlaubsplanung: Gut die Hälfte der befragten Gäste nimmt öfter als einmal pro Jahr Wohlfühlangebote in Anspruch. „Die Menschen haben zu Hause keinen Mut zur Muße. Sie haben verlernt, achtsam mit sich umzugehen“, erklärt WHR-Geschäftsführer Michael Altewischer. Daher suchen sie Zeit für sich – „Me-Time“ – an Rückzugsorten mit besonderer Atmosphäre, gutem Service, hoher Qualität (88 Prozent), Kursen zum aktiven Entspannen wie Yoga und Qi Gong (52 Prozent) und Angeboten, die ihnen helfen, einfach einmal gar nichts zu tun (40 Prozent). 

Gesundheit ist wichtiger als Schönheit: Massagen und Physiotherapien sind mit 54 Prozent die beliebtesten Anwendungen, gefolgt von kosmetischen Behandlungen, Bädern und Sportprogrammen. „Die Messlatte liegt hoch“, betont Altewischer. „Hoteliers haben dies erkannt und investieren verstärkt in ihre Häuser und die Fortbildung der Mitarbeiter, um qualitativ nach vorne zu gehen.“ In diesem Jahr planen dies rund 73 Prozent, gegenüber 67 Prozent 2015. 

Zwei Drittel der Anbieter haben Techniken zum aktiven Entspannen im Programm. Auch bei kosmetischen Anwendungen zeichnen sich Veränderungen ab: Die Gäste bevorzugten in den letzten fünf Jahren immer stärker Naturkosmetik, inzwischen sind es 27 Prozent, denen das wichtig ist. Hightech-Kosmetik stagniert bei 4 Prozent. „Hier spiegelt sich der allgemeine gesellschaftliche Trend wider“, analysiert Roland Fricke, Geschäftsführer von Beauty24. „Besonders die Generation Y legt Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität und Gesundheit.“

Hotels ohne Kinder
Die Umfrage zeigt zudem, dass rund 60 Prozent der befragten Reisenden als Gast eher ein Wellnesshotel mit „Adults only“-Konzept buchen würden als ein normales Wellnesshotel. Eigentlich kein Wunder: Zwei Drittel der Befragten reist mit dem Partner, für 45 Prozent ist die gemeinsame Zeit besonders wichtig. Fricke registriert unter den Kunden zudem immer mehr jüngere Paare. Die Gäste schätzen es, wenn in ihrem Auszeit-Domizil ausschließlich ihre Bedürfnisse zählen (58 Prozent) und sie kinderfrei abschalten können (44 Prozent). Der Geschäftsführer sieht darin für die Anbieter ein großes Potenzial, sich zu spezialisieren. 

Die befragten Hoteliers reagierten hingegen eher verhalten auf das Interesse an spezialisierten Hotelkonzepten: lediglich 3 Prozent planen, ein kinderfreies Konzept umzusetzen, für rund 61 Prozent ist dies nicht interessant, 30 Prozent können es sich vorstellen. Wie das funktionieren kann, zeigt beispielsweise Das Kranzbach in Garmisch-Partenkirchen. 

Ein Wellnesshotel für Familien ist für zwei Drittel kein Thema, inzwischen kann sich jedoch bereits ein gutes Fünftel diese Nische konzeptionell vorstellen. Sich als Rückzugsort nur für Singles zu positionieren, lehnen knapp 85 Prozent der befragten Anbieter ab. Ein reines Medical-Wellness-Gesundheitskonzept kann sich bereits ein Drittel vorstellen, 55 Prozent eher nicht. Michael Altewischer betont: „Hotels müssen sich positionieren, ob sie das gut finden oder nicht.“ 

„Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl sind nach wie vor Hotelbilder“, so Beauty24-Geschäftsführer Roland Fricke. „Emotionale Bilder stehen hoch im Kurs, um Reiselust zu wecken.“ Doch wenn Gäste tatsächlich Buchungen planen, entschieden aussagekräftige, professionelle Aufnahmen von Hotelzimmern (91 Prozent), Hotelansichten (83 Prozent) und vom Wellnessbereich (81 Prozent). Fricke betont: „Die Bilder sollten aber die tatsächlichen Zimmer darstellen und nicht nur das Vorzeigeexemplar.“

Klare Abgrenzung gefragt
Die Vorträge der Experten auf dem eintägigen Wellnessforum im Rahmen der ITB zeigten zudem: Wellness wird internationaler. Und Wellness ist nach einem Jahrzehnt des massiven quantitativen Wachstums im natürlichen Produkt-Lebenszyklus in der Differenzierungsphase angekommen. Es geht um klar abgrenzbare Ziel- und Angebotsgruppen und insbesondere um neue Ansprüche der Wellnessnutzer. Das Fazit von Michael Altewischer lautet: „Wellness muss sinnstiftendend dafür Sorge tragen, dass morgen und übermorgen Gäste weiterhin daran interessiert sind, in die Hotels zu kommen.“



Geprüfte Wellness-Qualität: 1997 wurden die Wellness-Hotels & Resorts in Deutschland - unter dem Zeichen des Wellness-Baums - gegründet. Zu diesem Anlass wurden erstmals Qualitätskriterien für Wellness-Hotels definiert und seitdem kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt. 2005 machen DEHOGA* und IHA** die Grundzüge dieser Qualitätskriterien zum Maßstab für die offizielle Definition eines Wellness-Hotels: eindrucksvolle Anerkennung der Fachwelt für die von unseren Hotels geleistete Pionierarbeit.


* Deutscher Hotel und Gaststättenverband

** Hotelverband Deutschland