Das Wellness-Lexikon der Wellness-Hotels & Resorts

Ein kleines ABC für Ihren Wellnessurlaub

Die Angebote in Wellnesshotels enthalten oft Fachausdrücke, die nicht jedem geläufig sind bzw. geläufig sein können. Die wichtigsten Stichworte zum Thema Wellness und Wellnessurlaub haben wir hier für Sie in unserem ABC der Wellness Begriffe zusammengestellt und erläutert. Ein Hinweis für Ihre Recherche: Die Suchfunktion des Wellness Lexikons unterstützt auch Wort-Anfänge. So müssen Sie nicht den exakten Wortlaut ins Suchfeld eintragen.


Heubad  -  Bad in Alpenheu zum Entgiften, Entspannen und Entschlacken

Geschichte des Heubades

Das Heubad ist nicht etwa eine Erfindung der Wellness Hotellerie sondern die Geschichte des Heubades in der Alpenregion reicht lange Jahre zurück.  Ursprünglich stammt das Heubad aus Südtirol, wo es liebevoll „Alpenbaderl“ genannt wird. Die Bauern in Südtirol wussten aus langjähriger Erfahrung, dass sie nach einer Nacht im frisch gemähten Heu am nächsten Morgen besonders erholt aufwachten und die im Heu enthaltenen Heilkräuter ihre Gliederschmerzen linderten. Im Jahr 1888  wurde dieses Phänomen erstmalig wissenschaftlich untersucht. Sogar Pfarrer Kneipp erwähnte die heilende und gesundheitsfördernde Wirkung des Heubades in seiner Gesundheitsfibel aus dem Jahr 1896.

Bereits ab 1890 boten einige pfiffige Bauern das Heubad in den Alpen zahlungskräftigen Besuchern als Kuranwendung an. Ein willkommener Zusatzverdienst in dieser armen und von Landwirtschaft geprägten Region. Dabei war ein Heubad damals nicht immer das reinste Vergnügen. Durch ungünstige Lagerbedingungen entwickelten sich im Heu unterschiedliche Pilze, die sich in einem ständigen Vergärungsprozess befanden und das Heu auf bis zu 60 Grad aufheizen konnten. Durch die hohe Temperatur wurden zwar die ätherischen Öle im Heu freigesetzt und konnten so ihre positive Wirkung auf Haut und Atemwege entfalten allerdings war das Schwitzen bei dieser hohen Temperatur eine anstrengende Prozedur für den Kurgast. In der heutigen Zeit wird das Heubad bei angenehmeren Temperaturen genossen. Die Temperatur, bei der geschwitzt wird, liegt bei ca. 42 Grad. Aber auch heutzutage spielt die sachgemäße Lagerung des Heus eine ganz entscheidende Rolle, damit sich die Wirkung der im Heu enthaltenen Blumen und Kräuter richtig entfalten kann.

Wie läuft ein Heubad ab?

Vor 1990 wurde in den gärenden Heuhaufen ein Loch gemacht, in das sich der Kurgast bis zum Hals hineinlegte. Der Körper begann zu schwitzen. Dabei war es völlig normal, dass sich mehrere Gäste in einem Raum befanden und der Heuhaufen mehrmals verwendet wurde. Ab 1991 wurden für das Heubad moderne hygienische Standards entwickelt, da sich diese Anwendung auch in den Wellnesshotels immer größerer Beliebtheit erfreute. 

Bei einem modernen Heubad, wie es in vielen Wellnesshotels angeboten wird, werden ca. 4-5 Kg Heu (abhängig von Größe und Gewicht) auf einem beheizten Wasserbett ausgebreitet und gewässert. Dadurch werden die ätherischen Öle, die in den Heilkräutern enthalten sind,  nach und nach freigesetzt. Der Gast legt sich nackt auf die Liege, wird noch einmal mit Bioheu bedeckt und abschließend mit Folie oder Tüchern eingewickelt. Die ätherischen Öle des Heus werden sowohl über die Atemwege als auch über die Haut aufgenommen.  Die Anwendung dauert ca. 20 Minuten. Danach sollte man auf jeden Fall nachruhen und viel trinken.

Wie wirkt ein Heubad?

  • Anregung des Stoffwechsels
  • Erfrischung und Erholung bei körperlicher und seelischer Erschöpfung
  • Schweißtreibende und damit reinigende Wirkung der Haut
  • Linderung rheumatischer Beschwerden wie Muskel- und Gelenkrheuma
  • Linderung bei Schmerzen in abgenützten, vorwiegend beanspruchten Gelenken, wie Hüfte, Knie und Schulter
  • Linderung bei Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule, sowie Hexenschuss und Ischias
  • Steigerung der Abwehrkräfte
  • Hilfe bei nervösen Schlafstörungen
  • Entschlackung 

Woher stammt das Heu und was ist darin enthalten?

Heu setzt sich immer aus unterschiedlichen Gräsern, Pflanzen und Blüten zusammen.  Dabei hängt die Zusammensetzung sowohl von der Region als auch von der Höhenlage der Bergwiesen ab. Grundsätzlich hat das Heu aus höheren Lagen einen größeren Anteil an wertvollen Heilkräutern und Pflanzen, die während des Heubades ihre ätherischen Öle freisetzen. Viele dieser Pflanzen, wie Baldrian, Arnika, Frauenmantel, Enzian oder Schafgarbe werden auch in der Naturheilkunde eingesetzt.

Kann ich auch zuhause ein Heubad nehmen?

Ein Heubad kann man auch problemlos zuhause in der eigenen Badewanne genießen. Dazu füllt man eine Badewanne oder ein Fußbad mit heißem Wasser und hängt ein Säckchen mit Bioheu hinein. Mindestens fünf Minuten ziehen lassen und das Säckchen dann ausdrücken. Man kann reines Bioheu entweder im Internet bestellen oder man kauft das Heu im Tierhandel. Auf jeden Fall sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um Bioheu ohne Anwendung von Spritz- und Düngemitteln handelt.

Alternativen zum Heubad

Einige Wellnesshotels bieten ihren Gästen statt eines Heubades die Heusauna an. In dieser Sauna wird das Heu mit Wasser befeuchtet, so dass sich die ätherischen Wirkstoffe in der Sauna entfalten. Die Temperatur in der Sauna liegt zwischen 70 und 80 Grad Celsius.

Für Menschen, denen ein Heubad einfach zu „pieksig“ ist, wurde der Heuwickel erfunden. Dafür wird das kleingehäckselte Heu in Baumwoll- oder Leinentücher gefüllt. Das Heukissen wird dann in Wasser eingeweicht und anschließend in einem speziellen Dampfofen erhitzt.  Der Heuwickel wird dann auf die nackte Haut gelegt bzw. als Ganzkörperwickel um den Gast gelegt. Die Temperatur des Heuwickels liegt dann bei etwa 50 Grad. Um die Wärme länger zu konservieren, kann noch ein Gummituch über den Heuwickel gelegt werden. Ein Heuwickel entschlackt und entspannt, wirkt schmerzlindernd und entkrampfend bei Magen-Darm oder Unterleibsschmerzen und stärkt das Immunsystem.

In der Schwangerschaft ist ein Heublumenbad sehr beliebt. Heublumen sind eine Mischung aus Blüten, Samen, Stängeln und Blättern unterschiedlicher Wiesenpflanzen. Hierzu gehören zum Beispiel

  • Trespe
  • Quecke
  • Wiesenschwingel oder
  • Fuchsschwanzgras und
  • Arnika.

Es wird als Sitzbad genommen, da Vollbäder im späten Stadium der Schwangerschaft zu Kreislaufproblem führen können oder frühzeitig Wehen auslösen. Ein Heublumenbad hilft, die Muskeln zu entspannen und fördert die Durchblutung. Kurz vor der Geburt sorgt ein Heublumenbad dafür, dass der Beckenboden weich und nachgiebig wird.  Die Heublumen erhält man getrocknet oder als Flüssigkeit oder in der Apotheke.

So wird ein Sitzbad mit Heublumen durchgeführt:

  • Zuerst werden ca. 15 Esslöffel Heublumen mit drei Litern Wasser aufgekocht. Die Mischung muss zehn Minuten ziehen.
  • Die Heublumen aus dem Sud heraussieben
  • Anschließend kaltes Wasser hinzugeben bis eine angenehme Temperatur erreicht ist
  • Den Sud in die Badewanne füllen. Nicht zu viel Wasser verwenden, lediglich Gesäß und Oberschenkel sollten bedeckt sein

Eine weitere, sanfte Methode ein Heubad zu genießen, ist der Kraxenofen. Der Name stammt aus der Zeit, als das Heu noch in Rückentragekörben, den Kraxen, von den höher gelegenen Bergwiesen transportiert wurde. Beim Kraxenofen handelt es sich um einen kleinen Ofen, in dem das Heu erwärmt wird und so langsam seine ätherischen Öle freisetzt. Der Gast nimmt auf einer Sitzfläche vor dem Ofen Platz und nimmt die Wirkstoffe über Haut und Atemwege auf. Diese Art des Heubades ist besonders schonend für den Kreislauf ohne dass man auf die positiven Effekte des Heubades verzichten muss.