Das Wellness-Lexikon der Wellness-Hotels & Resorts

Ein kleines ABC für Ihren Wellnessurlaub

Die Angebote in Wellnesshotels enthalten oft Fachausdrücke, die nicht jedem geläufig sind bzw. geläufig sein können. Die wichtigsten Stichworte zum Thema Wellness und Wellnessurlaub haben wir hier für Sie in unserem ABC der Wellness Begriffe zusammengestellt und erläutert. Ein Hinweis für Ihre Recherche: Die Suchfunktion des Wellness Lexikons unterstützt auch Wort-Anfänge. So müssen Sie nicht den exakten Wortlaut ins Suchfeld eintragen.


Ayurveda  -  altindische, ganzheitliche Lehre des Heilens und der Vorbeugung

Ayurveda – Was ist das und woher kommt der Begriff?

Die Wurzeln des Ayurveda - der Wissenschaft vom Leben - liegen in Indien und Sri Lanka und reichen weit über fünftausend Jahre zurück. Mehr als dreitausendfünfhundert Jahre alt sind die Vedischen Schriften, in denen die Gesundheitsregeln des Ayurveda erstmals schriftlich niedergelegt wurden. Das medizinische Wissen der ayurvedischen Lehre ist in diesen „heiligen Büchern“ zusammengefasst. Dort sind acht eigenständige medizinische Bereiche beschrieben:

  • innere Medizin
  • Frauen- und Kinderheilkunde
  • Hals-Nasen-Ohren und Augenheilkunde
  • Geisteskrankheiten
  • Chirurgie
  • Toxikologie
  • Gesundheitsförderung und Revitalisierung
  • Sexualmedizin

In Indien werden auch heute noch sämtliche Erkrankungen mit Ayurveda behandelt. Dabei ist traditionell die Prävention gegen eventuell entstehende Krankheiten ein wesentlicher Bestandteil der Ayurveda Medizin. Oft erfolgt die Behandlung parallel oder in Kombination mit der Schulmedizin. Auf der anderen Seite werden die gesundheitlichen und spirituellen Lehren des Ayurveda in Europa immer häufiger in alternative Heilmethoden integriert, angepasst an die Bedürfnisse der westlichen Patienten.

Ayurvedisch arbeitende Therapeuten behandeln nie nur ein Symptom, sondern immer den ganzen Menschen. Sie sehen den Patienten in seiner Individualität auf allen Ebenen von Körper, Geist und Seele. Dabei spielen aber nicht nur der aktuelle Gesundheitsstand und die persönliche Konstitution eine Rolle, sondern der ayurvedische Behandler wird immer auch die geografischen und kulturellen Bedingungen in seine Diagnose und Therapie einbeziehen. So können die ayurvedischen Lehren den jeweiligen regionalen Bedingungen angepasst und individuelle Behandlungskonzepte entwickelt werden. Aus ayurvedischer Sicht ist ein Mensch gesund, wenn er sich lebendig, wach und ausgeglichen fühlt. Physiologisch gesehen arbeiten alle Lebenskräfte auf körperlicher und geistiger Ebene optimal zusammen. Verdauung und Stoffwechsel funktionieren reibungslos und jede geeignete Nahrung kann verdaut und verwertet werden. 

Welche Bedeutung haben die Doshas in der Ayurvedischen Medizin?

Im Zentrum der ayurvedischen Medizin steht die Lehre von den drei Doshas

  • Vata,
  • Pitta und 
  • Kapha,

die die Eigenschaften und damit den Konstitutionstyp eines Menschen bestimmen. Deren Qualitäten sind vom Mischungsverhältnis von

  • Feuer,
  • Wasser,
  • Erde, Luft und
  • Raum

bestimmt. Diese Grundelemente steuern alle Vorgänge und Verhaltensweisen sowohl in der Natur als auch im menschlichen Organismus.  Das Verhältnis der Anteile von Vata, Pitta und Kapha zueinander macht den Menschen oder Konstitutionstyp (Prakriti) aus. Die Konstitution erklärt die Stärke eines Menschen und seine Schwachstellen, seine Krankheitsbereitschaft und die Wechselwirkungen zwischen Psyche und Körper. „Dosha“ bedeutet wörtlich aus dem Sanskrit übersetzt „Fehler“.  Geraten die Doshas aus dem Gleichgewicht (es herrscht also ein Mangel oder Überschuss mehrerer Doshas), kann es zur Ansammlung von Toxinen und Schlacken im Gewebe kommen, dem sogenannten Ama.

Vata – das Bewegungsprinzip

Vata setzt sich zusammen aus den Elementen Raum und Luft. Seine Eigenschaften sind leicht, trocken, subtil und schnell. Es steuert sämtliche willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungsabläufe und ist zuständig für unser Nervensystem. Auf geistiger Ebene sorgt es für Kreativität und Wahrnehmung. Im Lebenszyklus steht Vata für das Alter. In der Natur wird Vata als kaltes, trockenes Winterwetter erlebt.

Menschen, bei denen das Vata-Dosha dominiert, sind begeisterungsfähig, kreativ und neugierig. Vatas sind oft sehr sensibel und neigen zu Grübeleien. Die Folge sind häufig Schlafstörungen und sie neigen zu unregelmäßiger Verdauung. Vata-Typen sind optisch oft eher feingliedrig und zart, vor allem in Hinblick auf Gesichtszüge, Hände und Füße. 

Pitta – das thermische Prinzip

Pitta setzt sich zusammen aus den Elementen Feuer und Wasser. Seine Eigenschaften sind warm, flüssig, beweglich, scharf und sauer. Pitta ist zuständig für die Verdauung und den Stoffwechsel. Auf geistiger Ebene repräsentiert es den Intellekt. Im Lebenszyklus steht Pitta für die Mitte des Lebens. Bei warmem Wetter und in den Sommermonaten herrscht Pitta vor. 

Pitta Menschen sind häufig charismatisch, sehr aktiv und motiviert. Sie verstehen es, andere Menschen mitzureißen und zu überzeugen. Daher überwiegt bei Führungspersönlichkeiten oft das Pitta-Prinzip. Pittas sind gut organisiert, sehr strukturiert und effizient. 

Körperlich sind Pitta-Typen oft von mittlerer Statur, athletisch gebaut und sportlich.

Kapha – das Stabilitätsprinzip

Kapha setzt sich zusammen aus den Elementen Wasser und Erde. Seine Eigenschaften sind schwer, kalt, ölig und langsam. Kapha ist zuständig für Zusammenhalt und Struktur im Körper und gibt Stabilität auf körperlicher und geistiger Ebene. Im Lebenszyklus seht Kapha für die Kindheit. Kaltes, nasses Wetter, z.B. im Frühling, repräsentiert Kapha in der Natur.

Kapha-Typen sind oft sehr entspannt, beständig und handeln meistens wohlüberlegt. Sie sind geerdet, mögen keine Veränderungen und reagieren weder impulsiv noch überstürzen sie Dinge. 

Äußerlich neigen Kapha Menschen zu Übergewicht und bewegen sich eher ungern. Heißhunger und großer Appetit tragen ebenfalls zur kräftigen Statur bei.

Bei vielen Menschen stehen ein oder zwei Doshas im Vordergrund. Grundsätzlich sind jedoch alle drei Dosha Typen in ihrem individuellen Verhältnis zueinander in jedem Menschen bereits von Geburt an festgelegt. Gerät das Gleichgewicht der Doshas über einen längeren Zeitraum aus der Balance, können Krankheiten entstehen. Negative Faktoren, die sich nachteilig auf die Harmonie der Doshas auswirken, sind zum Beispiel

  • eine einseitige Ernährung
  • ein generell ungesunder Lebensstil
  • zu wenig Bewegung
  • Stress
  • Umweltgifte oder auch 
  • die genetische Veranlagung.

Welche Rolle spielt die Ernährung im Ayurveda?

Auch die Ernährung im Ayurveda richtet sich nach den drei Doshas, Vata, Pitta und Kapha. Es gibt allerdings auch allgemeingültige Regeln, die für alle Doshas gelten.

  • Es sollte erst wieder gegessen werden, wenn die vorangegangene Mahlzeit vollständig verdaut ist. Ein wachsendes Hungergefühl ist hierfür der beste Indikator. 
  • Um die Verdauung nicht mehr als nötig zu belasten, sollte man sich nie komplett satt essen, sondern die Mahlzeit beenden, wenn der Magen zu drei Viertel gefüllt ist. 
  • Der Verdauungstrakt arbeitet mittags am besten. Morgens und abends ist sie noch bzw. schon wieder schwach. Daher sollte die Hauptmahlzeit am Mittag eingenommen werden. Morgens und abends sollten die Speisen leicht verdaulich sein.
  • Schnelles Essen, essen im Stehen oder essen bei Stress hat negativen Einfluss auf die Verdauung und ist daher zu vermeiden.
  • Warme Speisen und Getränke sind leichter zu verdauen als kalte. Als Durstlöscher eignen sich lauwarmes Wasser oder Kräutertees. Dies ist besonders morgens sinnvoll, da die Verdauung dann noch schwach ist.
  • Gewürze spielen im Ayurveda eine entscheidende Rolle. Es wird zwischen sechs Geschmacksrichtungen unterschieden: süß, sauer, bitter, süß, scharf und herb. In einer ausgewogenen Mahlzeit sollten möglichst alle enthalten sein.

Welche Ernährungsregeln gelten für die drei Doshas?

Jede der drei Doshas im Ayurveda hat bestimmte Bedürfnisse in der Ernährung.

Menschen mit einem dominanten Vata-Dosha neigen oft zu Verstopfungen oder Blähungen. Für sie sind gekochte Mahlzeiten und warme Getränke empfehlenswert. Cremiges und Warmes ist gut für Vatas. Süß, sauer und salzig sind die besten Geschmacksrichtungen.

Das Pitta-Dosha neigt zu Heißhunger und sollte darauf achten, nicht zu viel auf einmal zu essen und scharfe, frittierte oder gebratene Speisen meiden. Bitterstoffen, wie in einigen grünen Blattgemüsen wirken ausgleichend. Bitter, süß und herb sind für Pitta-Typen die besten Geschmacksrichtungen.

Die Verdauung bei Menschen mit einem dominanten Kapha-Dosha ist eher träge. Daher sollten Kapha-Typen auf fette und schwere Speisen sowie auf zu viel Rohkost verzichten. Die ayurvedische Lehre empfiehlt hier viel Gemüse, warme Speisen und Getränke. Auch scharfe Gewürze wie Pfeffer, Chili und Ingwer verträgt Kapha gut. Die besten Geschmacksrichtungen sind bitter und scharf.

Ergänzen sich Ayurveda und Yoga?

Sowohl Yoga als auch Ayurveda haben ihren gemeinsamen Ursprung in den Jahrtausende alten vedischen Schriften. Bereits dort werden sie immer wieder in Bezug zueinander gesetzt. Im Ayurveda geht es mit seinem ganzheitlichen medizinischen Konzept auch immer wieder um Bewegung, Meditation und Atemübungen und bezieht sich dabei auf die unterschiedlichen Praktiken des Yoga. Yoga beinhaltet neben den Asanas auch zahlreiche Empfehlungen für eine gesunde Lebensführung, wie Reinigungsrituale und eine gesunde Ernährung.  Diese haben ihren Ursprung wiederum im Ayurveda. Im Kern haben Yoga und Ayurveda eines gemeinsam: Gesundheit, Achtsamkeit, Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Sowohl Yoga als auch Ayurveda sehen neben dem Fokus auf einen gesunden Lebensstil immer auch die Verbindung zum höheren Selbst und die Verbindung von Körper, Geist und Seele.

Welcher Yoga-Stil für welches Dosha?

Genau wie bei der Ernährung gibt es auch im Yoga Übungen, die für die einzelnen Doshas besonders geeignet sind bzw. vermieden werden sollten.

Der Vata Typ ist ehrgeizig, liebt es abwechslungsreich, bewegt und schnell und läuft schnell Gefahr, sich auch beim Yoga durch seine hohen Ansprüche an sich selbst, sehr unter Druck zu setzen. Daher sind anstrengende Asanas ohne kurze Entspannungsphasen nicht geeignet.  Sie unterstützen das bewusste Erleben von Anspannung und Entspannung. Die Anstrengung sollte daher eher moderat, die dynamischen Phasen nicht zu schnell und die statischen Phasen nicht zu lang sein. Die Übungen sollen kräftigen und stabilisieren ohne eine maximale Dehnung zu erreichen. Eine beruhigende und ausgleichende Wirkung haben die Wechselatmung und das Tönen mit dem Laut „mmmmm....“

Auch der Pitta-Typ neigt dazu, sich beim Yoga stark zu fordern und auszupowern. Die Übungen sollten auch hier zu einer größeren inneren Gelassenheit und Ausgeglichenheit führen. Hier ist bei den Asanas auf eine gute Mischung von Kraft und Beweglichkeit zu achten. Entspannungsphasen sind sehr wichtig. Auch für Menschen mit überwiegendem Pitta-Dosha ist die Wechselatmung sinnvoll. 

Der Kapha-Typ hat von allen Doshas den meisten Hang zu Ruhe und wenig Bewegung. Kaphas sollten vor allen Dingen Asanas praktizieren, die Wachheit, Ausdauer und Beweglichkeit fördern. Die Übungen sollten den Körper erhitzen und dehnen und die Schweißproduktion anregen. Hierzu zählen zum Beispiel der Sonnengruß, der Held oder das Boot sowie alle Rückbeugen. Die Entspannungsphasen sollten nicht zu lang sein. 

Wie läuft eine Behandlung beim Ayurveda Therapeuten ab?

Eine gründliche Diagnose durch einen Ayurveda Therapeuten umfasst unter anderem immer die Untersuchung von 

  • Puls
  • Haut
  • Urin 
  • Stuhl
  • Körpersprache
  • Gespräche über die häusliche Situation
  • das Umfeld und
  • die Ernährung.

Eine Vielzahl von Methoden kommt bei einer Ayurveda-Behandlung zum Einsatz, um die Harmonie von Körper, Geist und Seele wiederherzustellen. Dazu gehören z.B. 

  • Reinigungskuren
  • Behandlungen entsprechend des Konstitutionstyps
  • spezielle Diäten 
  • Ganzkörpermassagen oder
  • Farb- Aroma- und Musiktherapie sowie
  • pflanzliche und mineralische Arzneimittel.

Ayurvedische Arzneimittel haben meistens viele verschiedene Bestandteile. Ihre Basis sind oft Pflanzen, aber auch Tiere und eine Vielzahl von Mineralien. In klassischen Rezepten findet man oft mehr als hundert Einzelstoffe.

Kann ich Ayurveda auch in meinen Alltag integrieren?

Viele ayurvedische Rituale können in die täglichen Abläufe intergiert werden. Dazu zählt zum Beispiel die Morgenroutine (Dinacharya):

  • Direkt nach dem Aufstehen wird die Zunge mit einem Zungenschaber gereinigt. Dies befreit den Mundraum von Ablagerungen und Giftstoffen
  • Ein Glas warmes Wasser mit Ingwer oder Zitrone vor dem Frühstück regt die Verdauung an. 
  • Beim Ölziehen werden ein bis zwei Esslöffel Öl ca. 10 Minuten im Mund hin und her bewegt. Danach wird es ausgespuckt und der Mund mit warmem Wasser ausgespült. Das Speichel-Öl-Gemisch sollte auf keinen Fall heruntergeschluckt werden. Das Öl bindet die fettlöslichen Stoffe in der Mundschleimhaut und reduziert Bakterien. Mundgeruch wird so reduziert, der Geschmackssinn geschärft sowie Zähne und Zahnfleisch gestärkt. 
  • Die tägliche Bauchmassage mit warmem Öl regt die Verdauung an, stärkt die Abwehrkräfte und mildert Müdigkeit. Bei der Bauchmassage wird das Öl langsam in alle Richtungen massiert. Den Rest des Öls einziehen lassen und erst dann duschen.

Ayurveda in Europa

In Europa wird der Begriff Ayurveda häufig mit der Vorstellung von Wellness und Ölmassagen verbunden. Ölmassagen sind allerdings nur ein kleiner Ausschnitt aus den vielfältigen ayurvedischen Behandlungsmethoden. Sie sind eingebunden in das umfassende Reinigungs- und Entgiftungskonzept, das Panchakarma (übersetzt: „die fünf Handlungen“). Eine Panchakarma Kur besteht also aus fünf verschiedenen Maßnahmen. Jeder einzelne dieser fünf Bausteine dient der Ausleitung von Giften. Ziel ist es immer, Körper und Geist nachhaltig und intensiv zu reinigen. Das Ausleiten der Gift- und Schlackestoffe findet über den Darm, den Mund und über die Haut statt. Die Art des Ausleitungsverfahren hängt von der Konstitution des Patienten (Pitta, Vata oder Kapha) ab und von der Art der Erkrankung. Zu einer Panchakarma Kur gehört immer auch ein individuelles Ernährungskonzept, das die Konstitution des Gastes berücksichtigt.

Wer sich für eine traditionelle Panchakarma Kur entscheidet, sollte hierfür mindestens 2-3 Wochen einplanen. Jede Kur beginnt für den Gast mit einem Besuch beim Ayurveda Arzt. Hier werden die Doshas bestimmt und der individuelle Behandlungsplan festgelegt.